Nachrichten aus der Jugendsiedlung
„Hier wird unglaublich
gut ausgebildet“
Die Malerausbildung der Jugendsiedlung Traunreut überzeugt mit steigenden Zahlen und hohem fachlichem Niveau
Von Andreas Wittenzellner
Traunreuter Anzeiger vom 21. Juli 2026
Die Jugendsiedlung Traunreut, ein Ort insbesondere auch für junge Menschen, die einen erhöhten Förderbedarf haben, verstärkt ihr Engagement in der Ausbildung junger Malerlehrlinge. Der Erfolg lässt sich an steigenden Zahlen, aber auch in dem fachlichen Niveau der Lehrlinge messen, die in der Jugendsiedlung ihre Ausbildung zum Facharbeiter absolvieren. Aber auch als Prüfungsort gewinnt der Standort in
Traunreut zunehmend an Bedeutung. „Hier sind optimale Räumlichkeiten vorhanden, und auch das ganze Umfeld passt hier ausgezeichnet“, freut sich Kreishandwerksmeister Michael Röling, der für die beiden Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land zuständig ist und sich zufrieden zeigt, dass die gesamte Ausbildungslast nicht auf der Staatlichen Berufsschule I in Traunstein liegt.
Und so hat man in diesem Jahr zum ersten Mal die Gesamtprüfung auch für die Schüler der Regelberufsschule Traunstein durchgeführt. Dabei hat man in diesem Jahr erstmals die Prüfung für 19 Auszubildende (davon acht Fachpraktiker und elf Maler und Lackierer in Vollausbildung) erfolgreich durchgeführt, betont Fachoberlehrer Markus Hagn nicht ohne Stolz. Er weist darauf hin, dass die Schule – trotz knapper Zahl an Lehrkräften – das Glück hat, dass viele Lehrkräfte über die Handwerksausbildung in den Lehrdienst gekommen sind und in Traunreut Fachpraktiker prüfen, die inzwischen aus ganz Oberbayern kommen. Man habe hier de facto flächendeckend das Prüfungsmonopol.
Jürgen Zellerhoff, Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Berchtesgadener Land, der in den vergangenen sechs Monaten den Unterricht aktiv mit unterstützt hat, zog ein Fazit, das ihm auch von den Schülern vor Ort in Gesprächen immer wieder bestätigt wurde: „Hier wird unglaublich gut ausgebildet.“ Dass man sich in der Schule mit ihren zwölf Ausbildungsrichtungen intensiv um die Schüler kümmert, machte ergänzend Herbert Schultes deutlich, derzeit kommissarischer Schulleiter der Jugendsiedlung. „Unsere Schüler und Auszubildenden brauchen Sicherheit und ihr gewohntes Umfeld. Deshalb ist es auch wichtig ,dass ihre Ausbilder bei den Prüfungen dabei sind. Deshalb sind wir auch vor Ort mit ihnen, wenn sie die Prüfung extern in einem fremden Umfeld ablegen müssen.“ Er würdigte das zielführende Miteinander zwischen der Innung mit ihrem Prüfungsausschuss, den Ausbildungsbetrieben und der Jugendsiedlung.
„Es macht mir richtig Freude“
Auch unter den jungen Malerlehrlingen ist die Stimmung gut. So wie bei Fabiene Rösner aus Schnaitsee, die sich über die Fachrichtung im Allgemeinen aber auch über die Ausbildung in der Jugendsiedlung begeistert zeigt: „Ich wusste nicht, was ich nach dem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) machen sollte.“
Eine erste Ausbildungsrichtung war nicht so ganz nach ihrem Geschmack, aber jetzt passt es, sie erlernt „ihren“ Beruf und ist dabei, ihre Vollausbildung zum Maler und Lackierer zu machen. „Es macht mir richtig Freude“, so die motivierte junge Frau.

Fachoberlehrer Markus Hagn (von links), Kreishandwerksmeister Michael Röling und der Maler- und
Lackierer Obermeister des Berchtesgadener Lands Jürgen Zellerhoff sowei weitere interessierte Lehrer (und Schüler bei der kleinen Ausstellungseröffnung in der Jugendsiedlung.
Fotos: Wittenzellner

Begeisterung für die ausgestellten Arbeiten und ihren gewählten (Handwerksberuf: Fabienne Rösner aus Schnaitsee bei der Ausstellung in der Jugendsiedlung Traunreut.
Die Ausstellung der Prüfungsarbeiten
ist jeweils am Freitag, 24. Juli,
und Freitag, 31. Juli, in der Zeit von
9 bis 12 Uhr öffentlich zu besichtigen.
Eine Anmeldung vorab ist nicht erforderlich.
Europa wird zum Abenteuer
Erasmus eröffnet jungen Menschen der Jugendsiedlung Traunreut Chancen, die für viele sonst kaum erreichbar wären
Von Christiane Vogl
Traunreuter Anzeiger vom 21. Juli 2026
Wenn bei einer Erasmus-Reise der Jugendsiedlung das Essen auf dem Tisch stand, galt der Dank bisweilen einer Frau, die gar nicht mit am Tisch saß: „Danke ,Uschi“, rief dann einer der Jugendlichen .„Uschi“ stand augenzwinkernd für Ursula von der Leyen – und damit für die Europäische
Union, die den Aufenthalt finanzierte. Die kleine Anekdote erzählt viel über das, was Erasmus+ in der Jugendsiedlung Traunreut bewirkt. Die EU bleibt für die Jugendlichen nicht länger ein schwer greifbares politisches Gebilde. Sie wird zu einer konkreten Erfahrung: zu einem Olivenhain auf Kreta oder einer Baustelle, auf der die Verständigung mit Händen, Füßen und wenigen englischen Wörtern gelingt.
„Wir betonen sehr oft, dass ihnen die EU diese Möglichkeit schenkt“, sagt Aylin Steinberger, Schulsozialpädagogin und Erasmus-Koordinatorin der Jugendsiedlung.
Dahinter steckt weit mehr als die Freude an einer Reise. „Unser Motor ist die Chancengleichheit.“ Erasmus+ ist das Programm der Europäischen Union für Bildung, Ausbildung, Jugend und Sport. Erasmus+ richtet sich auch an Auszubildende und Berufsschüler. Junge Menschen können in europäischen Betrieben mitarbeiten und so andere Ausbildungssysteme kennenlernen. Die Jugendsiedlung ist seit 2022 für Erasmus+ akkreditiert. Die Aufenthalte sollen nicht nur Jugendlichen eine Reise ermöglichen, sondern die Ausbildung verbessern und internationale Partnerschaften schaffen. Für eine Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung ist ein solches Angebot außergewöhnlich. Viele Jugendliche der Jugendsiedlung benötigen beim Lernen, in der Ausbildung oder bei der Bewältigung des Alltags mehr Unterstützung. Für einen großen Teil wäre ein beruflicher Auslandsaufenthalt ohne Erasmus kaum erreichbar. Einer dieser Jugendlichen ist
Markus, ein angehender Landwirt. Sein großer Wunsch war es, einmal einen anderen landwirtschaftlichen Betrieb kennenzulernen. Markus suchte selbst nach einer Möglichkeit, fand einen Hof in Südtirol und organisierte seinen Aufenthalt mit. Später schrieb er, wie froh er sei, diesen Schritt gewagt zu haben.
Es sei anstrengend gewesen ,aber in seinem Beruf wäre er vermutlich nie wieder so weit von zu Hause fortgekommen .„Für jemanden wie ihn ist Südtirol eine Weltreise“, sagt Steinberger. Gerade deshalb sei auch seine Geschichte eine der großen Erfolgsgeschichten des Programms. Entscheidend sei nicht die Zahl der urückgelegten Kilometer. Entscheidend sei der Mut, die vertraute Umgebung zu verlassen.
Ein anderer Teilnehmer arbeitete als Bäcker in Südtirol. Der Betrieb war von ihm so überzeugt, dass er ihn einlud, für längere Zeit zurückzukehren. Aus dem Erasmus-Aufenthalt entwickelte sich ein mehrmonatiges Arbeitskapitel. Der junge Mann lernte neue Rezepte, andere Arbeitsweisen und eine Backtradition kennen, die sich von unserer unterscheidet. Wie groß ein solches Abenteuer werden kann, zeigt sich besonders auf Kreta. Dort arbeiteten Jugendliche der Jugendsiedlung zwei Wochen lang mit griechischen Handwerkern zusammen. Eine gemeinsame Sprache gab es kaum. „Hand, Fuß und ein bisschen Englisch“,
beschreibt Steinberger die Verständigung. Die jungen Leute standen acht oder neun Stunden mit ihren griechischen Kollegen auf der Baustelle, teilten Brotzeiten und erlebten ihren Arbeitsalltag. Sie erfuhren, wie in einem anderen Land gebaut und improvisiert wird, wie gastfreundlich die Menschen sind. Ein Jugendlicher überzeugte durch seine Arbeit so sehr, dass ihm gleich zwei Angebote für eine feste Stelle gemacht wurden. Angehende Landwirte waren auf Kreta im Einsatz Auch angehende Landwirte waren auf Kreta im Einsatz. Sie halfen bei der Olivenernte, was nicht nur für sie, sondern auch ihre Betreuer ein besonderes Erlebnis war. Sie arbeiteten im Gemüsebau und lernten in einem Viehbetrieb unter anderem wie Schafs- und Ziegenkäse hergestellt werden – Kuscheln mit den kleinen Lämmchen inklusive. Für die Kfz-Azubis wiederum wurde sichtbar, wie Werkstätten unter anderen wirtschaftlichen und organisatorischen Bedingungen arbeiten. Nicht in jedem Beruf warten völlig neue Techniken. Eine Mauer wird auch in Griechenland gemauert, ein Auto nach denselben Grundprinzipien repariert. Doch die Jugendlichen lernen, mit weniger Material oder anderen Werkzeugen zurechtzukommen. Sie müssen flexibel reagieren und erkennen mitunter erst im Ausland, wie gut ihre Arbeitsbedingungen zu Hause sind.
Die Jugendlichen werden auf den meisten Reisen von Lehrkräften, Ausbildern und Mitarbeitern der sozialen Dienste begleitet. Diese Begleitung nimmt ihnen die Selbstständigkeit nicht ab. Die Jugendlichen sollen Verkehrsmittel nutzen oder einkaufen. „Wir sind ein Sicherheitsanker“, sagt Steinberger.
„Die Jugendlichen machen ihr Zeug. Aber wenn ein Problem auftaucht, sind wir da.“ Eine Erasmus-Fahrt ist trotzdem keine Klassenfahrt mit Urlaubsprogramm. Die Teilnehmer arbeiten in ihren Betrieben und setzen sich mit der Geschichte und Kultur ihres Gastlandes auseinander. Maurer betrachten historische Bauwerke beispielsweise aus fachlicher Sicht, Maler beschäftigen sich mit der Gestaltung von Kirchen und Fassaden.
„Das ist keine Freizeitreise“, betont Steinberger. „Das gehört zur beruflichen Ausbildung dazu.“ Auch für die Begleitpersonen sind die Tage kein Urlaub. Sie koordinieren Fahrten, bringen die Jugendlichen am ersten Tag in die Betriebe und bleiben ständig ansprechbar. Über die Jahre hat die Jugendsiedlung ein Netzwerk aufgebaut. in Südtirol gibt es mittlerweile drei Tischlereibetriebe, die regelmäßig Traunreuter Auszubildende auf aufnehmen. Im irischen Limerick arbeitet die Schule mit einem Ausbildungszentrum zusammen. Unter anderem neu kommt Portugal als neues Ziel hinzu. Ende Februar reisen erstmals Jugendliche nach Barcelos nahe Porto.
Nach einer Auskunft, die Steinberger beim Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung eingeholt hat, sind in Bayern nur zwei weitere berufliche Förderschulen mit vergleichbaren Erasmus-Aktivitäten bekannt – ein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Möglich wird dies nur, weil zahlreiche Mitarbeiter weit über ihren regulären Aufgabenbereich hinaus organisieren, Kollegen die Vertretung übernehmen und Ausbildungsbetriebe ihre Lehrlinge freistellen. Bis zum Ende des laufenden Projektjahres rechnet die Jugendsiedlung seit Beginn ihrer Akkreditierung mit insgesamt 300 geförderten Mobilitäten. Hinter jeder Zahl steht eine eigene Geschichte. Manche Jugendlichen wachsen während der Reise sichtbar über sich hinaus. Das vielleicht größte Abenteuer beginnt deshalb nicht erst im Flugzeug. Es beginnt in dem Moment,
in dem aus „Das traue ich mir nicht zu“ ein „Ich probiere es“ wird. Und es endet auch nicht mit der Heimreise. „Die kommen anders zurück“, sagt Steinberger. „Man kann ihrem persönlichen Wachstum zuschauen.“

Stolz erhielten die Erasmus-Teilnehmer ihre EU-Pässe.

Auf einem Olivenhain halfen die angehenden Landwirte bei der Ernte.

In Italien besichtigten die Jugendlichen die Firma Schweitzer.

4.500 EURO für die
Ausbildungsmesse 2026
Der Freundes- und Förderekreis e.V. der Jugendsiedlung fördert die Informationsmöglichkeiten
Am Freitag, 24. April 2026, fand die Ausbildungsroas im Schulzentrum Trostberg statt.
Vom Handwerksbetrieb bis zum Global Player – die Messe begeisterte durch eine Vielfalt an Unternehmen und Berufsbildern.
Und selbstvertändlich durfte da auch die Jugendsiedlung mit der großen Berufsschule und den verschiedenen Ausbildungsbetrieben im Handwerklichen Ausbildungszentrum nicht fehlen.
Messen sind ja immer Marktplätze der Möglichkeiten und Informationen. Damit diese Informationen zeitgemäß präsentiert werden können, hatte der Freundes- und Förderkreis der Jugendsiedlung einen statthaften Förderbetrag – 4.500 EUR – bereitgestellt, der in den Messestand und weiteres Messeequipement investiert wurde.
Am vergangenen Freitag war es dann soweit: die Vorsitzende des Freundeskreises, Frau Dr. Löffler, durfte symbolisch den Spendenscheck überreichen und die Gegenstände der Zweckbindung im Rahmen der ersten Messe übergeben.
Mit bequemen Messehockern, Stehtisch, Flyer-Stand, Dropflag und Rollup konnten wir sofort die Ausbildungsroas ideal angehen und viele interessante Gespräche mit den Jugendlichen und Interessierten führen.
Und damit nicht genug – am Samstag, 25.04.2026, kam der neue Messestand gleich noch auf der IHK-Jobfit in Rosenheim zum Einsatz.
Bei der Führung durch die Messen verweilten dann auch der Landrat Herr Danzer und die beiden heimischen Landtagsabgeordnete, Herr Dr. Brunnhuber und Herr Baur, kurz am Messestand.

(Von links: Thomas Mayr, Georg Huber, Andreas Weisshaupt
und Dr. Birgit Löffler; Fotos: Jugendsiedlung)

(Von links: Dr. Martin Brunnhuber, MdL, Thomas Mayr, Landrat Andreas Danzer, Andreas Weisshaupt, Konrad Baur, MdL; Fotos: Jugendsiedlung)
Eröffnung Dorfladen + Café Mai 2026:
rfo - Di., 26.05.2026 , 17:30 Uhr/02:19
Dorfladen und -cafe der Jugendsiedlung Traunreut
Sie ist eine ganz besondere Einrichtung, die Jugendsiedlung in Traunreut. Hier bekommen auch die eine Chance, die sich sonst eher schwer tun. Junge Menschen mit Förderbedarf, oft aus schwierigen sozialen Verhältnissen, bekommen in der Jugendsiedlung die Chance, einen Beruf zu erlernen und damit auch, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und dabei ist die Jugendsiedlung immer auch offen für Neues, hat jetzt den Dorfladen in Traunwalchen, einem Ortsteil der Stadt Traunreut übernommen. Und natürlich geht’s auch dort vor allem um eines: Darum, jungen Menschen eine Chance zu geben.
rfo - Mi., 03.06.2026 , 17:21 Uhr/03:19
Jugendsiedlung-Ausbildung im Dorfcafe Traunwalchen
Der letzte Nahversorger ist längst verschwunden, Gasthaus gibt’s auch keines mehr.
So könnten inzwischen viele Dörfer beschrieben werden, in diesem Fall ist Traunwalchen,
ein Ortsteil der Stadt Traunreut gemeint. Allerdings gibt es inzwischen wieder Licht am Ende des Tunnels. Das Dorf hat jetzt wieder einen Dorfladen und sogar ein Dorfcafé.
Betrieben wird beides von der Jugendsiedlung Traunreut, einer in dieser Form enzigartigen Jugendhilfeeinrichtung. Die damit nicht nur Leben in den Ort zurückbringt,
sondern gleichzeitig ihren Jugendlichen weitere Ausbildungschancen ermöglicht.


